Eren Akşahin (geb. 1992 in Bielefeld) ist Multiinstrumentalist, Komponist und Musikpädagoge. Seine künstlerische Sprache ist tief in den vielfältigen Musiktraditionen Anatoliens verwurzelt und verbindet insbesondere kurdische, alevitische, armenische und türkische Musikkulturen mit zeitgenössischer Musik, europäischer Kunstmusik, Jazz, Improvisation und experimentellen Ansätzen. Im Zentrum seines Schaffens steht die Bağlama, die er ebenso wie Oud, Gitarre und weitere Zupfinstrumente in unterschiedlichen musikalischen Kontexten einsetzt.

Von 2011 bis 2017 studierte Eren am Conservatorium Rotterdam – Codarts Weltmusik mit Schwerpunkt auf orientalischer bzw. Anatolischer Musik. Dort absolvierte er zunächst seinen Bachelor und anschließend den interdisziplinären Master of Music / World Music. Bereits während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit erweiterten Spieltechniken und Klangfarben der Bağlama sowie mit ihrer Integration in zeitgenössische und kammermusikalische Zusammenhänge. Seine Masterarbeit widmete sich der klanglichen Einbindung der Bağlama in einen kammermusikalischen Kontext. Während seiner Ausbildung nahm er zudem an Unterricht, Meisterklassen und Workshops renommierter Musiker und Pädagogen wie Pt. Hariprasad Chaurasia, Kudsi Ergüner, Kemal Dinç und Paco Peña teil.

Im Laufe seiner musikalischen Laufbahn arbeitete Eren mit zahlreichen bedeutenden Künstler*innen der Anatolischen, kurdischen und internationalen Musikszene zusammen, darunter Carlo Domeniconi, Kemal Dinç, Ahmet Aslan, Ali Tekbaş, Dodan Özer, Ertan Tekin, Sakina Teyna uvm. Bereits früh war er Mitglied des Kemal Dinç Trios. Als Bağlama-Spieler trat er im Rahmen des Augsburger Friedensfestes gemeinsam mit den Augsburger Philharmonikern auf.

Neben seiner Tätigkeit als Instrumentalist entwickelte Eren zunehmend eigene kompositorische und kuratorische Formate. Mit der von ihm initiierten Konzertreihe Cemal Cemale schafft er seit 2022 eine Plattform für zeitgenössische anatolische Musik, Improvisation und den Austausch zwischen Musiker*innen unterschiedlicher musikalischer und kultureller Herkunft. 2026 wurde Cemal Cemale #6 in der Rudolf-Oetker-Halle in Bielefeld aufgeführt und vom WDR 3 mitgeschnitten; die Ausstrahlung ist für Dezember 2026 vorgesehen.

2023 wirkte Eren als Oud-Spieler in Wim Henderickx’ zeitgenössischer Oper „The Convert“ mit den Bielefelder Philharmonikern mit. Für die Theaterproduktion „Die Optimistinnen“ übernahm er zunächst am Theater Bielefeld und 2026 erneut am Alten Schauspielhaus Stuttgart die musikalische Leitung. 

Seine künstlerische Arbeit wurde wiederholt durch Stipendien, Residenzen und Projektförderungen unterstützt. 2022 wurde er für eine Residenz des Goethe-Instituts Brüssel ausgewählt und nahm gemeinsam mit weiteren internationalen Künstler*innen am Projekt HALAQAT teil. 2023 folgte eine weitere Residenz des Goethe-Instituts Rabat in Marokko. Aus diesen Arbeitsphasen entstanden unter anderem Konzerte im BOZAR Brüssel sowie bei Visa for Music in Marokko. Darüber hinaus erhielt Eren Förderungen und Stipendien unter anderem vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der GVL, dem Deutschen Musikrat, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW sowie dem Kulturamt Bielefeld. 

Als Stipendiat des LWL-Kulturstipendiums beschäftigte Eren sich mit „Die Konferenz der Vögel“ und seiner eigenen musikalischen Auseinandersetzung mit dem Werk des persischen Mystikers Fariduddin Attar. Die Komposition verbindet eine zeitgenössische Tonsprache mit modalen und ethnisch-musikalischen Einflüssen und steht exemplarisch für seinen künstlerischen Ansatz, überlieferte musikalische Sprachen nicht lediglich zu reproduzieren, sondern aus heutiger Perspektive weiterzuentwickeln.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitet Eren Akşahin als Musikpädagoge und Dozent. Er war unter anderem Gastdozent für das Center for World Music (CWM) der Universität Hildesheim, den Landesmusikrat NRW und seit 2021 auch in seinem eigenen ZUPF-Atelier MîanDe im Kulturhaus Bielefeld tätig. und weitere Institutionen. In seiner Lehr- und Ensemblearbeit beschäftigt er sich insbesondere mit Bağlama, zeitgenössischer Ensemblepraxis, kultureller Diversität und der Weiterentwicklung anatolischer Musiktraditionen in heutigen gesellschaftlichen und künstlerischen Kontexten. Neben seinen eigenen Ensembles und Projekten spielt Eren auch mit vielen anderen Kunstschaffenden und Bands. Daher ist er regelmäßig auf kleinen und großen europäischen Bühnen zu erleben und blickt bislang auf mehr als 500 Konzerte und Auftritte zurück.